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Nr.3 / März 2000

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"Ich bin ein mega Egoist"

Beat Ringger war von Anfang an dabei und ist seit zwei Jahren Präsident von umverkehR. Was die Verkehrshalbierungs-Initiative verlangt, ist für ihn "total selbstverständlich". Der 44-Jährige ist ein Macher, kein Träumer.

von Seraina Sattler [sersatt@hotmail.com]

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Utopie? Idealistische Idee? Vision? Etiketten passen ihm gar nicht. Schon am Telefon macht Beat Ringger klar, dass er kein Idealist sei. "Die ewige Schubladisierung schränkt das Denken ein und macht die Menschen blind".
Beat Ringger
Beat Ringger
Die umverkehR-Initiative ist laut Ringger auch nicht grün. Würde sie nämlich als solche etikettiert, würden AutofahrerInnen nicht mehr weiterlesen und gar nicht erst "Ja" stimmen. "Was wir wollen, geht alle etwas an, nicht nur die Ökos".

Neue Lebensqualität

Beat Ringger wohnt ab vom Schuss. Ohne eigenes Auto. Ein Velo, ein Platz im stündlich fahrenden Postauto und ein fünftel Auto reichen ihm, um mobil zu sein. "Die Auto-Monokultur ist nicht zukunftsfähig, sie verstopft unsere Lebensräume." Für Beat Ringger ist Umweltschutz keine Strafe, im Gegenteil, es ist eine Chance. Es geht dabei nicht um Verzicht, sondern um eine neue Lebensqualität. Jeder Mensch habe die aktive Aufgabe, sein Leben zu gestalten, erklärt der engagierte Verkehrshalbierer. Die Variante "Bequemlichkeit und Konsum" sei eine der Möglichkeiten, allerdings eine, die in einer Sackgasse ende: "Diese Leute landen dann in einem Leben, das sich vor dem Fernseher abspielt."

Keine Aufopferung

Die Aufgabe, das eigene Leben aktiv zu gestalten, hat Ringger dazu bewegt, sich für umverkehR zu engagieren. "Ich bin ein mega Egoist" erklärt Beat Ringger unerwartet. "Ich will ein interessantes Leben führen und mich mit Dingen beschäftigen, die mein Leben bestimmen. Dazu gehört die Frage, wie sich die Gesamtgesellschaft weiterentwickelt und weiterentwickeln wird."
Freie Fahrt für alle
Umverkehr-Demonstration: "Freie Fahrt für alle"
(Alle Bilder © http://www.umverkehr.ch)
Von Aufopferung für eine Idee kann also nicht die Rede sein. UmverkehR ist für Ringger ein Gesamtkunstwerk, ein modernes Abenteuer, bei dem er viel lernt und mit interessanten Menschen in Kontakt kommt. Je länger er sich mit dem Thema "Verkehr" auseinandersetze, desto mehr werde ihm klar, dass die Forderungen der Initiative "total selbstverständlich" sind, erklärt Ringger. Der 44-Jährige steht voll und ganz hinter dem Verkehrshalbierungs-Projekt, sagt aber: "Wir haben nicht die beste Lösung für das Verkehrsproblem. Wir geben einen Anstoss, damit die Gesamtgesellschaft das Projekt gemeinsam anpacken kann".

Entstehungsgeschichte

Beat Ringger war Ende der 80er Jahre in der "Zukunftswerkstatt" in Winterthur dabei, einer Gruppe, die sich mit der Weiterentwicklung der Gesellschaft befasste. Ein Teil der Gruppe wendete sich dem Thema "Verkehr" zu. "Wir haben dieses Thema aufgegriffen, weil Änderungen in der Verkehrspolitik sehr schnelle Wirkungen zeigen." Aus dieser Gruppe heraus entstand umverkehR. Seit zwei Jahren ist Beat Ringger Präsident des Vereins, der die gleichnamige Initiative lanciert hat. Ringger arbeitet 60 Prozent als Projektleiter von Smuv und Gbi, den beiden grössten Gewerkschaften der Schweiz. Die restliche Zeit verbringt er ehrenamtlich für umverkehR: Organisieren, koordinieren, referieren.

Und das liebe Geld?

Wie sollen die Massnahmen finanziert werden, die der Staat bei Annahme der Initiative ergreifen würde? fragen viele Kritiker der Initiative. "Die Umstellung bringt keine Mehrkosten" antwortet Beat Ringger.
elektronische Postkarte
elektronische Umverkehr-Postkarte
Das Geld, das durch den Rückgang des Autoverkehrs frei würde, könnte direkt in die neuen Projekte investiert werden. Das heisst konkret: Statt Autobahnen Velowege und ein besserer Öffentlicher Verkehr. "Auf Dauer kommt uns diese Lebensweise sogar viel billiger." Sind die grossen Investitionen nämlich erst mal erbracht, kommt der neue Lebensstil günstiger: Für jedeN einzelneN und die ganze Gesellschaft.

Kommt die Initiative durch?

Beat Ringgers Argumente erscheinen durchaus einleuchtend. Aber hat die Initiative überhaupt eine Chance, bei der Abstimmung im Frühling 2000 durchzukommen? "Wenn es uns gelingt, plausibel zu machen, dass man mit Gewinn den Verkehr halbieren kann, können wir die Abstimmung durchaus gewinnen." Der Gewinn wäre in Form von mehr Farbe und Qualität im Leben der Menschen spürbar. "Ob wir das schaffen werden, weiss ich allerdings nicht. Es ist keine einfache Aufgabe im herrschenden Klima." Die Fakten: Das Parlament empfiehlt die Vorlage zur Ablehnung. Im Ständerat hat es keine einzige Gegenstimme gegeben. Beat Ringger lässt sich aber nicht entmutigen: "Ich habe nie erwartet, dass die dafür sind." Ziel sei es, bei möglichst vielen Leuten eine Faszination auszulösen. "Auch wenn keine Mehrheit zustande kommt in der Abstimmung, so haben wir doch etwas Spannendes und Wirksames gemacht. Früher oder später wird die Gesamtgesellschaft sowieso an Optionen denken müssen, wie wir sie vorschlagen."

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Zeitung "Toaster".




Weiterführende Links

umverkehR-Homepage
Artikel über Internetkampagnen (Interview mit Umverkehr-Internetverantwortlichen)
Homepage Umverkehrgegner (Strassenverkehrsverband)
Homepage Umverkehrgegner (TCS)
Toaster



Die Autorin

Seraina Sattler [sersatt@hotmail.com] studiert Geschichte, Publizistikwissenschaft und Volkskunde an der Uni Zürich im fünften Semester. Bei Melting Pot hat sie ihre eigene Kolumne.



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