| Magazin > Nr.1 / Oktober 1999 | ||
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Radio Control von Reto Wollenmann [reto.wollenmann@access.unizh.ch] Mit Radio Control - einer digitalen Messuhr für die Analyse des Radiomarktes Schweiz - sollen bald zuverlässigere Daten über das Hörverhalten zur Verfügung stehen. Die bisherige Erhebungsmethode mittels persönlicher Befragungen wird somit durch ein hochentwickeltes elektronisches Messsystem abgelöst. Die Daten werden genauer und breiter abgestützt sein und zudem schneller bereitstehen. Hoffnungen und Ängste begleiten Radio Control auf dem Weg zum Einsatz im Feld. geballte Ladung High-Tech Wie jede andere Uhr wird sie am Handgelenk getragen, ist klein und unauffällig. Doch im Inneren verbirgt sich ein geballte Ladung High-Tech: Ein Mikrofon nimmt Umgebungsgeräusche wahr und ein Chip speichert die Daten digital. Wenn der Speicher nach der einwöchigen Erhebungsphase voll ist, wird die Uhr zur Auswertung zurückgeschickt und die komprimierten Daten werden ausgewertet, indem sie mit den Tonfrequenzen der einzelnen Radiostationen verglichen werden. Die dazu benötigte Datenmenge wird bereits innerhalb der Aufnahmesequenzen stark reduziert, so dass ausschliesslich mit den Programmprotokollen übereinstimmende Signale erkannt werden können. Die ist einerseits eine Entlastung für den Speicher, andererseits aber vor allem für den Datenschutz und die Privatsphäre der Untersuchungsperson äusserst wichtig. Während mit der bisherigen Erhebung durch Interviews 18'200 Personen pro Jahr befragt werden, sollen in Zukunft 600 Personen die Radio-Control-Uhr zweimal pro Jahr während einer Woche tragen. Gemäss Manuel Dähler, Chef der Radioforschung der SRG SSR Idée Suisse, werden die Kosten für die Erforschung der Daten zwar doppelt so hoch, die Datenmenge aber 12 mal grösser sein. Zudem werden die Daten um ein Vielfaches genauer sein, weil die digitalen Aufnahmesequenzen im Gegensatz zu den Befragten im Interview nicht über- oder untertreiben können: Dem Befragten werden die Sender nämlich bis anhin in einer bestimmten Reihenfolge vorgelesen und die Antworten werden durch vielschichtige Einflüsse wie Müdigkeit, Stress, Desinteresse oder fehlendem Erinnerungsvermögen verfälscht. Ausserdem kann jeweils in den Angaben ein Lieblingssender mit grosszügigen Angaben bevorzugt oder ein anderer mit absichtlich falschen Aussagen benachteiligt werden. Erfahrungsgemäss wird im Interview oft das angegeben, was sozial erwünscht ist: Beispielsweise werden bekannte und etablierte Sender deutlich häufiger genannt, als sie tatsächlich genutzt werden. auch Zweifel und Ängste Manipulation ist mit der elektronischen Methode nahezu ausgeschlossen. Denn wenn die Uhr zum Beispiel stundenlang vor ein laufendes Radio gestellt wird, erkennt dies der eingebaute Bewegungsmelder. Ausserdem kann durch den Temperaturfühler
Die Radiobetreiber und die Werbewirtschaft warten schon lange auf exaktere Zahlen, die schneller als bisher zur Verfügung stehen und haben grosse Hoffnungen in Radio Control gesetzt. Doch wie mit jeder Innovation spielen auch Ängste und Zweifel mit: Werden die Zahlen tiefer liegen? Wenn ja, welche Sender werden Anteile verlieren? Manuel Dähler betont, dass dies zum heutigen Zeitpunkt nicht gesagt werden kann. Erst nach Testläufen und Feineinstellungen des Systems, wenn es im Jahr 2001 definitiv im Einsatz stehen wird, kann man dies untersuchen. Vermutlich werden alle Sender etwas schlechter abschneiden. Denn wer heute beispielsweise angibt, während der Arbeit 8 Stunden Radio gehört zu haben, wird in seinen digitalen Werten mit Bestimmtheit deutlich weniger ausweisen: Sobald er sich aus dem Hörbereich bewegt, registriert dies die Uhr, und schliesslich schlägt sich dies in der absoluten Hörzeit nieder. Export möglich Auf der anderen Seite wird aber beispielsweise im Supermarkt oder im Restaurant Radionutzung aufgezeichnet. Dies ist ein Bereich, der zur Zeit im Interview kaum erfasst werden kann. Es stellt sich lediglich die Frage, ob man eine akustische Schwelle definieren müsste, ab der man von "Radio hören" sprechen kann. Ausserdem ist nie mit Sicherheit zu sagen, ob eine Person im Hörbereich auch tatsächlich das Gesendete registriert: Nebengeräusche sind unter Umständen so laut, dass die Untersuchungsperson das Programm nicht verfolgen kann, während die Uhr jedoch "Radiokonsum" feststellt. Bei der SRG, die 2'400 Uhren bestellt hat, denkt man bereits über einen möglichen Export nach, denn das Gerät ist international gesehen einzigartig und wäre insbesondere in einem grösseren Markt ein hoch interessantes Produkt mit Zukunftschancen. Auf diese Weise könnten auch die happigen Investitionskosten belohnt werden, denn die vierstelligen Kosten sind fast so hoch wie bei einer schönen Rado Uhr.
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SRG Forschungsdienst Der Autor Reto Wollenmann [reto.wollenmann@access.unizh.ch] ist 23 Jahre alt und studiert im 7.Semester Geschichte, Germanistik und Publizistik.
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letzte Änderung: 29.10.1999 durch Regula Stocker [regula.stocker@access.unizh.ch] |